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  • Manuela

Kalifornien, Teil 1 - der Norden, wilde Küste & Traumstadt

Die Fahrt zum nächsten Nationalpark in Kalifornien führte uns überwiegend durch Weideland, das wie eine Hochalm in den Alpen auf 1.300 – 1.500 m lag.

Rundherum waren hier allerdings mehrere Vulkane statt Berge.


Das Land war knochentrocken. Es hatte anscheinend den ganzen Sommer über nicht geregnet oder eher noch länger nicht.

Auf jeden Fall waren die Weiden, Rasenflächen und Gräser alle komplett gelb, wenn nicht künstlich bewässert wurde.


Irgendwann kam zu dem Gelb der vertrockneten Pflanzen das Schwarz der erkalteten Lava hinzu, bereits weit vor dem eigentlichen Lava Bed Nationalpark.

Ein toller Farbkontrast und dazu der tiefblaue Himmel.

Im Lava Bed Nationalpark gibt es neben unzähligen, kilometerlangen Lavaströmen Lavahöhlen, sogenannte Tubs.


Diese Höhlen entstanden vor 10.500 – 65.000 Jahren als flüssige Lava an der Oberfläche abkühlte und im Inneren weiter floss.


Einen Teil der Höhlen und zwar nur den, in dem gerade keine Fledermäuse leben, konnten wir besichtigen.


Wir haben also unsere Kopflampen aufgesetzt und sind zum Teil über steile Leitern in diese finstere „Unterwelt“ geklettert.

Manche Gänge dieser Höhlen sind sehr tief und verwinkelt mit vielen, langen Abzweigen – wir haben uns in einer tatsächlich verlaufen – andere sind bis zu 12 m hoch, während wieder andere an manchen Stellen nur 90 cm hoch sind.

Sie unterscheiden sich auch in den Farben ihrer Wände. Es gab eine braune „Chocolade“ Höhle und eine Blaue Grotte.

Und es war ziemlich kalt da unten.

Wir waren immer wieder froh, zurück ins Licht und die Wärme zu kommen.

Wir verbrachten die Nacht in der Nähe des Parks, im National Forest, oder was davon übriggeblieben ist.

Hier müssen furchtbare Feuer gewütet haben.

Viele Kilometer lang sind wir auch am nächsten Tag noch an verbrannten Bäumen vorbeigefahren.

Dazwischen war immer wieder Lava zu sehen, unglaublich wie hier die Vulkane förmlich explodiert sein müssen.


Ein Vulkan, der tatsächlich explodiert ist, ist der Mt. Lassen.


Den Tipp in den Nationalpark gleichen Namens zu fahren, haben wir von meiner Schulfreundin Britta bekommen, da wären wir sonst nie hingefahren.


In diesem Nationalpark ist jeder Stein vulkanischen Ursprungs.

Das Besondere hier ist, es gibt alle vier Vulkantypen: Schild-, Schicht-, Kegel- und Lava Dom-Vulkan.


Der Mt. Lassen ist mit 3.187 m der größte Lava Dom Vulkan der Welt. Seine letzten Eruptionen waren zwischen 1914 und 1921 mit der größten Explosion im Mai 1922. Die damals weg gesprengten Steine sind heute noch in sehr großer Entfernung zu finden.


Der Wanderparkplatz, von dem aus es auf den Mt. Lassen geht, liegt in 2.594 m Höhe, sodass man „nur“ noch knapp 600 Höhenmeter überwinden muss, um in den Vulkankrater gucken zu können.

Das haben wir nach gut 1,5 Stunden Aufstieg geschafft und neben dem Blick in den Krater hat uns vor allem die fantastische Aus- und Fernsicht auf sämtliche Vulkane drum herum mal wieder schwer begeistert.

In ca. 110 km Entfernung konnten wir den schneebedeckten, über 4.000 m hohen Mt. Shasta sehen – vom Volumen her der größte Vulkan Nordamerikas.

Als wir wieder unten waren, stand auf dem Parkplatz neben uns ein Wohnmobil aus Coburg.

Kurze Zeit später tauchten seine Besitzer auf – Bettina und Bernhard.

Schnell entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch, die Zeit verrann und wir brauchten alle noch einen Übernachtungsplatz.


Wir fuhren zusammen los und blieben einfach bei dem Parkplatz der „Sulphur Works“ über Nacht stehen, eine Stelle im Park, wo es kochenden, blubbernden Schlamm gibt und Schwefel und andere Mineralien die Erde gelb, orange, weiß und alle Schattierungen dazwischen färbt.

Es wurde ein sehr netter Abend.


Am nächsten Vormittag machten wir noch zusammen den Gang runter zur „Bumpass Hell“ – ein faszinierender Ort mit kochend heißen Schlammbecken, rauchenden Löchern und fauchenden Fumarolen, türkisem See in gelb, orange und weißer Landschaft – ein verrücktes Farbspektakel, wie aus einer anderen Welt.

Das ist übrigens das größte hydrothermale System westlich des Yellowstone National Parks – unglaublich, was die Natur alles hervorbringen kann.

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns aus der Welt der Vulkane und Lavaströme und fuhren wieder Richtung Küste.


Bevor es aber an den Pazifik ging, fuhren wir die „Avenue oft he Giants“ im Humboldt Statepark entlang.


Diese 51 km lange Straße führt als „Auto Tour“ direkt durch den Park vorbei an den riesig breiten und irre hohen Redwood Bäumen.

Wir blieben dann spontan eine Nacht auf einem State Park Campground, um mal wieder zu duschen, Wasser zu tanken und zwischen diesen alten Baumgiganten zu übernachten.

Vormittags konnten wir uns nur schwer von den alten Baumriesen verabschieden und sind noch einige Trails staunend und begeistert zwischen ihnen gewandert.

Aber dann zog es uns doch weiter zum Meer.


Kurz vor Sonnenuntergang fanden wir den perfekten Stellplatz, einen großen Pullout, direkt auf einer Klippe, hoch über den tosenden Wellen.

Der Ausblick war sensationell und als die Sonne im Meer versunken war, färbte sich der Himmel in den kitschigsten Rottönen.


Auf dem Highway 1 war nachts nichts mehr los, so dass wir lediglich von den Geräuschen der Wellen in den Schlaf begleitet wurden.


Die nächsten Tage blieben wir an der wild zerklüfteten Küste, hielten immer wieder an, für kurze Ausblicke und kleine Spaziergänge.

Dabei beobachteten wir an einem Punkt viele Seehunde, die in der Brandung nach Nahrung tauchten.

In Mendocino, einem hübschen Künstlerort hätten wir gerne übernachtet, aber der ausgespähte Platz hatte mal wieder ein „No-Schild“ und so sind wir dann vorsichtshalber, nach einem ausgiebigem Spaziergang, noch ein Stückchen weitergefahren, um nachts in Ruhe schlafen zu können.

Hier war mal wieder die iOverlander App hilfreich und wir blieben nicht die Einzigen, die hier standen.

Ein Amerikaner stellte auf der Ladefläche seines Pickups sein kleines Iglu Zelt auf und übernachtete mit seinem Hund dort.


Die letzte Nacht an der Küste verbrachten wir auf einem toll gelegenen Viewpoint, an dem es einen kleinen Rundweg gab, von dem aus wir einen fantastischen Fernblick entlang der zerklüfteten Küste hatten, Sonnenuntergang im Meer inklusive.

Das dort ebenfalls ein „No-Schild“ war, ignorierten wir in diesem Fall – es gab weit und breit keinen Ort und niemanden, den wir stören konnten.

Nach einem stürmischen Spaziergang am Meer fuhren wir nach Santa Rosa ins Hinterland.

Hier wollten wir Britta besuchen, eine Schulfreundin von mir, die seit mehr als 30 Jahren in Kalifornien lebt.

Wir verabredeten uns mit ihr in Graton, einem kleinen Künstlerort in Sonoma County, einer DER Weingegenden, wo sie ihr Atelier hat. Britta malt seit frühester Kindheit und hat ein wunderschönes Atelier. Wer neugierig geworden ist kann sich ihre Bilder unter www.brittakathmeyer.com gerne mal anschauen.


Die nächsten fünf Nächte standen wir neben ihrem kleinen Häuschen, dass sie gerade erst bezogen hatte und wuschen mal wieder unsere komplette Wäsche – ein herzliches Dankeschön nochmal dafür!


Außerdem zeigte sie uns, mit ihrer Freundin Gina, die schöne, aber ausgedörrte Umgebung (hier hatte es im Mai zuletzt geregnet) und wir machten einige Weinproben auf verschiedenen Weingütern.

An Uli’s Geburtstag fuhren wir zum Abendessen zum Weingut von Francis Ford Copolla, dem berühmten Regisseur. Ein beeindruckendes und pompöses Weingut, ganz im Stile Hollywoods.

An unserem ersten Abend in Santa Rosa lernten wir noch Michael kennen.


Wir kamen vom Essen in Graton, fuhren mit dem Unimog auf eine rote Ampel zu, als uns ein Porsche überholte und stoppte (es war dunkel, nach 21.00 Uhr).

Der Fahrer fragte, ob wir aus Deutschland kämen und stellte sich uns dann vor. Er hätte auch einen Unimog und käme aus Bad Aibling… wie klein doch manchmal die Welt sein kann.

In den nächsten Tagen stand Uli immer wieder in Kontakt mit ihm und so erfuhren wir, dass er Winzer ist und ebenfalls schon viele Jahrzehnte in Kalifornien lebt, aber Ende November zurück nach Bad Aibling geht.


Bevor wir weiter fuhren Richtung San Francisco, besuchten wir ihn und seine Frau Rebecca kurz.

Dann gings aber weiter, für eine Nacht zurück ans Meer.

Britta hatte uns den „National Seashore Point Reyes“ empfohlen.


Diese Halbinsel am Pazifik liegt direkt am San-Andreas-Graben, die wohl berühmt-berüchtigtste Erdbebenzone der Welt.


Hier stoßen die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aufeinander, bzw. sie reiben aneinander entlang.

Die jährliche Verschiebung beträgt ca. 6 cm (Nordamerika verschiebt sich Richtung Mexiko).

Es war schon ein komisches Gefühl mitten in diesem Graben zu übernachten.


Bei dem starken Erdbeben von 1906, als San Francisco zum Großteil zerstört wurde, kam es bei Point Reyes zu Erdverschiebungen von mehreren Metern.

Auf dem „Erdbebenrundweg“ konnten wir noch die Reste eines Zauns sehen, der ursprünglich zusammenstand, nach dem Erdbeben aber 5 m auseinanderklaffte.


Die abgelegene und windumtoste Halbinsel selbst wird seit mehr als einem Jahrhundert zur Milchviehhaltung genutzt. Überall stehen auf den kargen Weiden Kühe, aber auch Wapiti- und Rehherden.


Normalerweise hüllt sich Point Reyes in Nebelschwaden – hier wurde auch ein Großteil des Horrorfilms The Fog – Nebel des Grauens gedreht.


Wir hatten aber nur mit dem hier üblichen Sturm zu kämpfen, der uns aber nicht davon abhielt zum Leuchtturm zu laufen und auch den Seeelefanten einen Besuch abzustatten.

Wir schliefen noch eine weitere Nacht völlig unbeschadet mitten im San-Andreas-Graben in der Nähe des kleinen Künstlerortes Bolinas, wo wir am nächsten Morgen vom Strand aus nochmal Wale beobachten konnten, die aus dem Wasser sprangen!


Regen, der erste seit zwei Monaten, trieb uns weiter die Küstenstraße entlang, in wilden Kurven, hoch über dem Pazifik.


Und dann konnten wir die ersten Häuser von San Francisco sehen.


Ich war 1987 zum ersten Mal dort und die Stadt hat mich sofort fasziniert.

1993 & 1996 waren Uli und ich gemeinsam in San Francisco und jedes Mal waren wir total begeistert.


Jetzt waren wir sehr gespannt, wie die Stadt sich mit den Jahren verändert hat.


Von vielen verschieden Seiten hatten wir gehört, dass die Stadt aufgrund der hohen Zahl an Obdachlosen an Attraktivität verloren hätte.


Aber sobald wir uns der Golden Gate Bridge näherten, waren alle Bedenken über Bord geworfen.


Vor unserer Reise wurden wir gefragt, auf was wir uns am meisten freuen würden und meine Antwort war: „wenn wir mit dem Unimog über die Golden Gate Bridge fahren“.

Uli hatte noch schnell das Lied „If you going to San Francisco“ von Scott Mckenzie runtergeladen und mit dem Lied in voller Lautstärke sind wir dann über die Brücke gefahren.

Nach dem morgendlichen Regenguss verzogen sich die Wolken mehr und mehr und die Brücke zeigte sich uns in ihrer ganzen Pracht.

Es war so emotional für uns, dass ein paar Tränen kullerten – aber vor lauter Wiedersehensfreude.


Wir fuhren sofort wieder zurück, nochmal mit Genuss und ganz lauter Musik, weil wir nicht ins Großstadtgetümmel geraten wollten.


Auf der anderen Brückenseite sind wir dann im Golden Gate National Erholungsgebiet von einem Aussichtspunkt zum nächsten gefahren.

Der Blick auf die Brücke und die dahinter liegende Stadt war atemberaubend. Wir konnten uns nicht satt sehen.

Zwischendurch mussten wir uns aber noch Gedanken machen, wo wir übernachten sollten.

Wieder mal hat uns die iOverlander App geholfen, obwohl der Platz, den wir uns ausgeguckt haben, als geschlossen beschrieben wurde, da es Schilder mit No-Camping gab.

Aber wer kontrolliert das im November, haben wir uns gefragt, und uns ganz frech einfach direkt am Presidio Yacht Club hin gestellt mit Blick auf die Golden Gate Bridge.


Besser kann man glaube ich nicht stehen – es war ruhig und der Blick aus dem Fenster war einmalig schön!


Am nächsten Morgen sind wir bei strahlend blauem Himmel nach Sausalito gefahren um von dort mit der Fähre nach San Francisco zu fahren.

Die Fährfahrt an sich war schon ein Highlight – der Blick auf die Brücke, jetzt in der Morgensonne, langsam vorbei an Alcatraz und schließlich vorbei an den Piers und der Skyline der Stadt – die durch einige riesige Wolkenkratzer erweitert worden ist.


Unser erstes Ziel war der Coit Tower.

Unzählige Treppenstufen führen durch verwunschene Gärten hoch, vorbei an kleinen, hübschen Häusern, bis man oben auf dem Felsen zum Turm kommt, von dem aus früher die Feuer in der Stadt gesichtet und gemeldet wurden.

Wieder unten an den Piers haben wir hier und da Obdachlose gesehen, aber nicht in der Zahl, dass wir uns nicht wohl gefühlt hätten.


Am Pier 39 herrschte immer noch einigermaßen Trubel, selbst deutsche Stimmen waren zu hören und das im November!

Ein kurzer Stopp bei den Seelöwen musste sein, bevor unsere Richtung über den Fishermens Wharf dann rauf in die Hügel der Stadt ging.

Kurzer Besuch in der Lombard Street, in einem Abschnitt wahrscheinlich eine der kurvigsten Straße der Welt, dann weiter entlang der Hyde Street, durch die die Cable Car rattert.

Zurück ging es durch das bunte Chinatown und über little Italy, vorbei an der immer noch schönen Transamerican Pyramide nach Downtown.


Hier waren neben all den verglasten Wolkenkratzern und den Geschäften doch mehr Obdachlose zu sehen, aber kein Vergleich zu den Massen, die wir in Vancouver zu Gesicht bekommen haben.

Müde und zufrieden haben wir im Dunkeln wieder die Fähre zurück nach Sausalito genommen und das Lichtermeer der Stadt in uns aufgesogen – für uns ist San Francisco immer noch ein Sehnsuchtsort und hat nichts von seinem besonderen Charme eingebüßt.

Die Nacht haben wir abermals neben der Brücke verbracht und wieder hat sich niemand daran gestört.


Bevor wir uns (vorerst) von der Küste verabschiedet haben, drehten wir noch eine kleine Runde durch Sausalitos Hausbootstege.


Mittlerweile darf man sich die bunten Hausboote aber nur noch von weitem, oder den wenigen öffentlichen Stegen angucken, um, verständlicherweise, die Privatsphäre der Bewohner nicht zu stören.

Dann ging’s Richtung Nevada.


Hierzu mussten wir etliche Bergrücken überqueren und je höher und nördlicher wir kamen, desto kälter wurde es.


Der Himmel zog zu und wir entdeckten voller Entsetzen Schneereste.

Frische Schneereste. In 2.000 – 2.300 m hatte es frisch geschneit.


In Lake Tahoe war es so grau und kalt, dass wir auf einen Besuch verzichteten.


Hinzu kam, dass unser Split Getriebe, ein Overdrive, nicht mehr richtig funktionierte.

Es hatte uns bisher das Schalten und Fahren vor allem am Berg erleichtert.


Uli hatte noch kurzfristig Öl für das Getriebe besorgt und ausgetauscht, aber das schien nicht der Fehler gewesen zu sein und wir mochten es kaum noch einsetzen.


Und das, wo jetzt die einsamen Nationalparks Utahs unser nächstes Ziel waren…

Die letzte Nacht in Kalifornien haben wir nicht gut geschlafen.


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Und so geht es weiter

Ende März / Anfang April fahren wir nach Hamburg, wo der Unimog Mitte April per Schiff auf die Reise nach Halifax geht.
Corona bedingt dürfen wir leider nicht mit an Bord uns so fliegen wir vorab für ein paar Tage nach Island, bevor es dann auch für uns nach Kanada geht. 
Ende April soll das Schiff mit unserem Unimog hoffentlich wohlbehalten in Halifax, Nova Scotia einlaufen.
Einige Tage später, hoffen wir, können wir ihn dann endlich aus dem Zoll holen und unser Abenteuer kann endlich beginnen.

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