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  • Manuela

Nevada - Wüstenstaat und Glitzerstadt

Unsere „Flucht“ aus dem kalten Utah war erfolgreich geglückt.


Ein kurzes Stück ging es durch Arizona, bevor es dann in Nevada endlich merklich wärmer, aber auch wieder trockner wurde.


Wir haben noch schnell einen Großeinkauf beim Walmart gemacht, bevor es uns für mehrere Tage in die Wüste zog.


Unser Ziel war das Valley of Fire – ein Tal in dem es tiefrote Sandsteinformationen und kunterbunte Canyons gibt.

Allerdings lag das Thanksgiving Wochenende vor uns, was für Amerikaner ein sehr wichtiger Familienfeiertag ist und viele zu einem Kurzurlaub unterwegs sind. Außerdem ist Las Vegas nur 97 km weit entfernt – für viele „Zocker“ ein nur Tagesausflug.


Rings um den Statepark gibt es riesige Flächen BLM Land (Bureau of Land Management). Hier darf man offiziell, kostenlos campen, allerdings nicht länger als 14 Tage.

Das wird auch von den Amerikanern fleißig genutzt – wir standen bestimmt mit 20 anderen Campern, in gebührendem Abstand, zwischen Steinen, Sand, trockenen Büschen, Kakteen und etlichen Feuerstellen.


Und es war warm. Uli werkelte im T-Shirt am Unimog, er isolierte die letzten Wasserleitungen, während ich ebenfalls im T-Shirt lesend der Sonne saß.


Am nächsten Morgen sind wir zeitig in den Statepark gefahren, weil wir unbedingt einen Platz auf einem der zwei Campingplätzen ergattern wollten. Wir mussten dringend Wasser tanken und eine Dusche wäre auch nicht schlecht…


Wir hatten tatsächlich Glück und haben den letzten freien Platz ohne Service erwischt (den brauchen wir nicht, weil wir autark sind) und das für nur 10,00 $. Danach sind wir los, den Park erkunden.


Die roten Felsen sind wirklich beeindruckend schön, vor allem, vor dem tiefblauem Himmel.

Aber es war so viel los, dass es bei manchem Viewpoint fast keinen Parkplatz mehr gab. Allerdings steigen die meisten Besucher nur für Fotos kurz aus, dazu laufen sie max. 50 m, sodass auf den kurzen Trails nicht allzu viel los war, wie die Anzahl an PKWs befürchten ließ.


So konnten wir Felsen in surrealen Regenbogenfarben und in Form von Elefanten, sowie kleine Slotcanyons fast alleine betrachten und genießen.

Ein Trail ganz hinten im Park ist vom 01. Juni – 30. September gesperrt. Wegen Hitze! Die Temperaturen können hier im Hochsommer bis auf 50 Grad steigen und da will man wohl kein weiteres Risiko eingehen, es sollen bereits mehrere Menschen umgekommen sein.


Davon waren wir gegen Ende November zum Glück weit entfernt, aber dafür wurde es leider früh dunkel. Wir mussten uns am Ende richtig beeilen, um die Petroglyphen der Native Americans noch zu sehen. Vor über 4.000 Jahren haben sie das Land zum Jagen und für Zusammenkünfte genutzt und haben hier auch religiöse Zeremonien abgehalten. Das haben sie in Felszeichnungen (Petroglyphen) festgehalten, die noch heute sehr gut erkennbar und wunderschön sind.

Frisch geduscht mit vollem Wassertank ging es am nächsten Morgen wieder zurück ins BLM Land.


Diesmal fuhren wir noch ein Stückchen weiter Richtung Las Vegas, blieben aber noch weit davon entfernt am Lake Mead.

Dieser Stausee, oder was davon übriggeblieben ist, wird vom Virgin River gespeist und fließt dann in den Colorado River.

Der See muss vor ca. 20 Jahren zuletzt riesengroß gewesen sein. Laut unserer Navigationsapp „MAPS.ME“ standen wir bereits mitten im Wasser… Die Muscheln, die überall herum lagen, waren der Beweis, aber der See war nun tief unten, viele Meter vom einstigen Ufer entfernt.


Wir holten endlich mal wieder Tisch und Stühle heraus und genossen die Wärme und die Abgeschiedenheit. Die nächsten amerikanischen Camper waren etliche 100 m entfernt.

Spät nachmittags kam noch ein deutscher Overlander dazu – Marina & Rico aus Regensburg. Die beiden hatten wir bereits am Salmon Gletscher getroffen und sie erzählten uns, dass noch mehr Reisefreunde hierherkommen wollten, um dem Thanksgiving Trubel zu entgehen.


Und so trudelten am nächsten Tag noch Ben, mit dem wir seit Halifax in Kontakt sind, uns aber noch nie getroffen hatten, Melanie aus der Schweiz mit ihrem Hund, Matthew, der einzige Amerikaner und Maja & Tobi, die wir ebenfalls am Salmon Gletscher und auf Vancouver Island schon getroffen hatten, ein.

Einen Tag später gesellten sich Angelika & Steffen aus Böblingen noch zu uns, die Marina & Rico bereits aus einer vorherigen Mexikoreise kannten.


Ab da gab es jeden Abend ein großes Lagerfeuer. Die Tage vergingen in der warmen Sonne mit Nichtstun, Gesprächen und Spaziergängen um Feuerholz zu sammeln.

Nach fünf Nächten löste sich diese nette Gruppe wieder auf und wir fuhren nach Las Vegas weiter.

Maja & Tobi hatten noch einen Stellplatztipp für uns – mitten auf dem Strip gab es eine Industriebrache, mit einem riesigen Parkplatz, in zweiter Reihe sozusagen und es war erstaunlich ruhig dort. Einem Mann von der Security gaben wir 10,00 $ und er passte auf den Unimog auf, während wir uns in das schrille, laute Getümmel stürzten.

Nach fünf ruhigen Nächten in der Wüste konnte der Gegensatz kaum krasser sein. Riesige, leuchtende Werbeflächen, blinkende Schilder und kitschig bunte Fassaden haben uns schier geblendet und fast überfordert. Ständig wollten irgendwelche halbnackten Showgirls gegen Geld Fotos mit uns machen. Andere steckten in abenteuerlichen Kostümen und dazwischen jede Menge Obdachlose, die einfach vor sich hinvegetierten. Kein schöner Anblick!

Am Bellagio kamen wir gerade im richtigen Moment an, als vor dem Hotel Wasserfontänen eine Choreographie zu „I’m singing in the rain“ „tanzten“. Das war schon fast altmodisch schön, ohne Wahnsinns Effekte oder sonstige Übertreibungen. Allerdings sind Wasserspiele in der Wüste schon auch fragwürdig.

Auf der anderen Straßenseite leuchtete der Eifelturm vom Hotel Paris, wir wollten aber erstmal weiter nach Venedig.


Das Venetien toppte alles bisher Gesehene. Draußen stand riesengroß der Markusturm, daneben gleich die Rialtobrücke, daneben der Dogenpalast mit Seufzerbrücke.

Und vor der ganzen Kulisse schaukelten illuminierte Gondeln mit singendem Gondoliere. Wahnsinn! Drinnen ging’s genau so weiter. Wir hatten schon ein bisschen das Gefühl durch Venedig zu laufen, oben blauer Himmel, auf dem Markusplatz sang jemand eine italienische Arie und durch die Kanäle schaukelten auch hier drinnen die Gondeln.

Wenn dann nicht die bunten Geldautomaten, Roulettetische und andere Geldverbrennmaschinen aufgetaucht wären.

Die zeigen einem dann, worum es hier eigentlich geht. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie viele Dollars hier jede Nacht verloren werden, dass sich der Bau solcher riesigen Hotels überhaupt rentiert.

Wieder draußen gab’s gegenüber im Tresure Island noch einen „Vulkanausbruch“ bevor wir dann kurz mal „in“ Paris waren.

Dieses Hotel ist aber längst nicht so Detailverliebt wie das Venetien.

Wir hatten schnell genug, guckten noch kurz „in“ New York vorbei und flüchteten endlich in die Ruhe unseres Unimogs.

Am nächsten Morgen gönnten wir uns ein leckeres Frühstück in einem typischen Diner auf dem Strip, guckten danach noch kurz in Luxor vorbei und pilgerten dann bis zum Wellcome to Las Vegas Schild.

Dann hatten wir genug von Schrill, Laut und Grell und kehrten dem Strip den Rücken.


Wir blieben aber in Las Vegas, nur in einem ruhigeren Teil, auf einem der typischen RV Parkplätze.

Hier standen wir dicht an dicht zwischen riesigen Trailern und Bussen, mit denen die Amerikaner für gewöhnlich unterwegs sind.

Die haben Längen von 12 – 14 m und oft ziehen sie noch einen PKW oder Jeep hinterher… Dazwischen verschwand unser Unimog winzig klein.


Aber wir hatten WLAN, haben unsere Wäsche komplett gewaschen und Wasser getankt - dafür haben wir das gerne in Kauf genommen. Und Uli hat mir die Haare geschnitten! Das war nach acht Monaten mehr als fällig…


Danach zog es uns wieder aber wieder ganz schnell raus in die Einsamkeit der Wüste.


Allerdings hatten wir für unsere letzte Nacht in Nevada nicht den ruhigsten Platz erwischt.

Im Gegenteil. Wir waren in eine Gegend geraten, wo man schießen darf.

Überall lagen Hülsen, Verpackungen von Munition und Gegenstände, die zerschossen waren, herum.


Wir hatten kein gutes Gefühl und fuhren soweit es ging von den Ballermännern weg, in Richtung eines Salzsees.


Trotzdem hörten wir die unterschiedlichen Schüsse den ganzen Abend durch das Tal hallen, auch als es bereits dunkel war. Uli erzählte noch was von Querschlägern, die kilometerweit fliegen können und so ließen wir vorsichtshalber die Rollos oben und Licht an. Hier wollten wir gesehen werden!


Irgendwann hörten sie zum Glück mit dem Geballere auf, aber sobald es hell war, wurde wieder geschossen.


Nachdem Uli unsere neueste Errungenschaft, eine Drohne, ausprobiert und zum Fliegen gebracht hatte, fuhren wir ein kleines Stückchen weiter zu einem kunterbunten Kunstwerk mitten im Nichts der Wüste. Die „Seven magic Mountains“ gaben ein tolles Fotomotiv ab.

Dann zog es uns aber endgültig weiter in die Mojave Wüste.

Hier wollten wir wieder Ben, Melanie und Matthew treffen, da an Ben’s Landrover etwas repariert werden musste.

Aber die liegt in Kalifornien – deshalb erfahrt Ihr im nächsten Beitrag, was wir da alles so erlebt haben…





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Und so geht es weiter

Ende März / Anfang April fahren wir nach Hamburg, wo der Unimog Mitte April per Schiff auf die Reise nach Halifax geht.
Corona bedingt dürfen wir leider nicht mit an Bord uns so fliegen wir vorab für ein paar Tage nach Island, bevor es dann auch für uns nach Kanada geht. 
Ende April soll das Schiff mit unserem Unimog hoffentlich wohlbehalten in Halifax, Nova Scotia einlaufen.
Einige Tage später, hoffen wir, können wir ihn dann endlich aus dem Zoll holen und unser Abenteuer kann endlich beginnen.

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