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  • Manuela

Panama – oh wie schön!

Aktualisiert: 24. Nov. 2023

Die Geschichte vom kleinen Tiger und dem kleinen Bären die nach Panama reisen wollten, kennen wohl die meisten von Euch.


Aber wohl die wenigsten waren wirklich schon mal da, genau wie Tiger und Bär, in dem Buch von Janosch aus dem Jahr 1978, die niemals in Panama angekommen sind.


Panama war das zehnte und letzte Land, durch dass wir in Nord- und Zentralamerika gereist sind.


1821 löste sich Panama von Spanien ab und wurde Teil von Großkolumbien.

Die USA unterstützten 1903 militärisch die Unabhängigkeit von Kolumbien und sicherten sich so großen Einfluss auf das Land, in dem sie sich unter anderem die Rechte am Bau des Panamakanals sicherten.


Dieses Wunderwerk der Technik wurde zwischen 1904 und 1914 durch Ingenieure der US-Army errichtet und ist bis heute eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.


Gleichzeitig erwarben die Amerikaner die Hoheitsrechte für das Gebiet rund um den Kanal, allerdings nur bis 1999.

Am 31. Dezember 1999 wurde das US-Gebiet entlang des Kanals sowie alle Militärbasen wieder an Panama zurückgegeben.


Heute ist der Panamakanal die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle des Landes.


Unser Grenzübertritt war mehr oder weniger „geräuschlos“ – wir bekamen allerdings erstmalig nur ein einmonatiges TIP (Temporäre Import Erlaubnis für den Unimog) und auch die Versicherung war nur für einen Monat gültig (hier konnten wir aber sofort eine Zweite abschließen für den Folgemonat).

Das TIP sollten wir nach dem Ablauf beim Zoll verlängern, angeblich wäre das ganz einfach…


Schon auf den ersten Kilometern im Land wurde der Unterschied zu Costa Rica sehr deutlich. Zwar fuhren wir auch hier durch unendlich große Bananenplantagen der Firmen Chiquita und Delmonte, aber die Straße war in einem sehr schlechten Zustand und links und rechts davon türmte sich wieder Müll.

Auch die Armut der Bewohner war wieder greifbar nah und uns wurde schnell bewusst, wie erholsam es doch in Costa Rica war.

Unser erstes Ziel waren die Inseln von Bocas del Toro im karibischen Meer.


Wir hatten uns ein kleines Hotel mit Klimaanlage (!) auf der Hauptinsel Colon gebucht und wollten zwei Tage die Seele baumeln lassen direkt im Hauptort der Insel.


Die Stadt Bocas del Toro, kurz Bocas genannt, besteht aus farbenprächtigen Holzhäusern, die Anfang des 20. Jhd. von der United Fruit Company gebaut wurden. Bei unserer Ankunft am frühen Morgen, nach einer guten Stunde Bootsfahrt mit dem Wassertaxi, war im strömenden Regen davon allerdings nicht viel zu sehen.


Unser Zimmer in einem der Holzhäuser direkt am Wasser war noch nicht fertig, sodass wir erstmal eine kleine Erkundungstour durch die Stadt machten.

Da die Stadt nicht sehr groß ist, waren wir damit zügig durch und sind sehr lecker frühstücken gegangen.


Es hörte dann irgendwann auf zu regnen und nachdem wir unser schönes Zimmer mit Meerblick bezogen hatten, brachen wir für eine weitere Runde „Entdeckungstour“ auf. Aber fußläufig gab es nicht wirklich viel mehr zu entdecken und deshalb mieteten wir uns am nächsten Tag E-Bikes (Fatbikes).

Wir wollten zum schönsten Strand der Insel, dem 14 km entfernten Boca del Drago und dort an den Starfish Beach – einem Strand, an dem unzählige, große Seesterne im Wasser liegen sollen.


Aber die Straße dorthin befand sich sozusagen im Rohbau, sie sollte asphaltiert werden. Bergauf und -ab ging es über eine rote Lehmpiste. Als es anfing zu regnen, wurde der Weg zu einer glitschigen Rutschpartie.

Als der Regen stärker wurde, stellten wir uns kurz unter das Dach einer Bushaltestelle. Und standen dort 1,5 Stunden. Wir überlegten natürlich umzukehren, aber wir entdeckten hellere Lücken im grauen Himmel und fuhren weiter.

Bis zum nächsten Wolkenbruch und zum übernächsten.

Irgendwann kamen wir in der Bucht an (es hatte irgendwann aufgehört zu regnen!), schlossen die Fahrräder ab und gingen noch 20 Minuten einen Dschungeltrampelpfad entlang, um dann endlich an den Starfish Beach zu kommen.


Aber die Seesterne hatten sich verzogen. Ganze drei Stück bekamen wir vom Ufer aus zu sehen.

Uns war es hier zu „rummelig“ - etliche Leute hatten sich mit Wassertaxen herfahren lassen und liefen und schnorchelten zwischen den Seesternen herum.

Wir traten den Rückweg an, weil wir noch auf die gegenüberliegende Seite der Insel wollten, zum Playa Bluff.

An diesem Strand gab es hohe und starke Wellen, die die Surfer anzogen.


Zurück durch den Matsch – wir und die Fahrräder sahen mittlerweile aus wie kleine Dreckschweine – war an dem Strand aber nicht viel los.

Wir fanden stattdessen eine urige Strandbar, wo wir etwas tranken, bevor wir die Räder wieder abgeben mussten.


Das E-Bike fahren war zwar am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber zum Schluss hat es uns richtig Spaß gemacht.


Und dann war auch schon unser letzter Abend da. Wir überlegten hin und her, ob wir verlängern und noch auf eine andere Insel fahren sollen. Aber die „Vernunft“ siegte (schließlich kostete uns eine Nacht über 120,00 €) und so ging es am nächsten Morgen wieder zurück ans Festland.


Wir wollten hoch in die Berge, wo es nicht so heiß und schwül ist, wie am Meer.


Wir fuhren eine traumhaft schöne Strecke über die Talamanca Kordilleren, ein grüner Gebirgszug im Dschungel mit vielen Wasserfällen und kleinen Dörfern mit Hütten, die mit Palmenblättern gedeckt waren.


Unser Ziel waren die Stadt Boquete in 1.100 m Höhe, sowie der 3.474 m hohe, inaktive Vulkan Baru.

Boquete zählt aufgrund seines kühlen und erfrischenden Klimas zu den besten Altersruhesitzen der Welt. Entsprechend vielen älteren Herrschaften begegneten wir hier, vorwiegend US-Amerikaner, die in weitläufigen, geschlossenen Wohnanlagen leben.

In der Umgebung von Boqete findet man die schönsten Wandergebiete in Panama. Hier kann man außerdem klettern gehen, raften, Kaffeeplantagen besichtigen und vieles mehr.


Wir entschieden uns für eine Wanderung zu einem Wasserfall, quer durch den Dschungel. Im Gegensatz zu Costa Rica sahen wir aber keine Tiere, außer Vögel. Den kunterbunten Quetzales, der Nationalvogel von Guatemala, hätten wir gerne gesehen, aber ausgerechnet der zeigte sich leider nicht.

Nach kühlen Nächten direkt an einem wilden Bach und mitten in der Stadt am Straßenrand, fuhren wir wieder ein Stückchen weiter runter zu einem Fluss, in dem riesige, kugelrunde Felsen lagen, als hätte ein Riese einen Sack Murmeln ausgeschüttet.

Hier blieben wir gleich mehrere Nächte und hatten als einzige Nachbarn zwei Pferde, die wie wir in dem Fluss zum Baden kamen.

Nach dieser kleinen Reisepause fuhren wir ein Stückchen weiter südwärts, zu einem kleinen Canyon.


Es war Sonntag und proppenvoll. Wie überall in Zentralamerika machen Familien am Sonntag zusammen Ausflüge. Kühltaschen und Chipstüten werden eingepackt und ganz wichtig, für laute Musik wird gesorgt. Aber glücklicherweise mussten wir gar nicht weit am Canyon entlang gehen und die Menschenmassen wurden weniger und damit ruhiger. Wir verbrachten den Nachmittag am und im Wasser und am Abend dann, hatten wir den Canyon ganz für uns allein.


Allerdings war die Nacht dermaßen heiß und schwül, sodass wir am nächsten Morgen sofort wieder nach Boquete zurück gefahren sind.


Hier blieben wir insgesamt 14 Tage auf verschiedensten Stellplätzen.

Wir standen in 1.800 m Höhe direkt am Parkeingang zum Vulkan Baru und froren zwei Nächte (was für ein herrliches Gefühl, sich zudecken zu müssen) und gingen dann auf einen Campingplatz, um mal wieder in den Genuss von sanitären Anlagen, Wäsche waschen und Restaurantbesuchen zu kommen.

An einem Abend stand plötzlich Heinz neben uns und wir verbrachten einen schönen Abend mit ihm.


Für den 2. September war unsere Verschiffung für den Unimog nach Kolumbien geplant, da es keine Straße zwischen Panama und Kolumbien gibt.

Man muss 10 Tage vor der Verschiffung einiges an Papierkram für den Ex- und Import erledigen, zur Polizei fahren und das Fahrzeug vorstellen und fünf Tage vor dem Termin das Fahrzeug im Hafen sauber abgeben.


Da es mittlerweile Mitte August war und wir noch ein bisschen mehr von Panama sehen wollten, verließen wir schweren Herzens diese herrlich üppig grüne Bergwelt und fuhren runter an den Pazifik.


Der mit 12 km längste Strand Panamas, Las Lajas war unser nächstes Ziel.


Auf der iOverlander App gab es nur wenige Übernachtungsplätze, da sich entweder Häuser am Strand befanden, oder wildes Dickicht parken unmöglich machte.

Es gab einige Plätze gegen Geld, einer war dermaßen runtergekommen, da wollten wir nicht stehen.

Bei einem anderen sollten wir 25 $ zahlen und die Toiletten und Duschen wurden als primitiv und nicht sauber beschrieben.


Und dann tauchte Roy auf. Ein Panamaer, der deutsch sprach, weil er eine Zeit lang in Bremen und Köln gelebt hat und der ein großes Grundstück besaß, auf dem er Stück für Stück einen Campingplatz einrichten will. Zurzeit fährt er aber noch als Maschinist zur See und ist nur drei Monate im Jahr in Panama.

Roy wollte nur 10 $ pro Nacht und sein WC und die Außenduschen waren für hiesige Verhältnisse tip top.

Wir hatten ein riesiges Strandgrundstück mit Palmen 😊 ganz für uns allein.


Da die Temperaturen nachts dank einer steten Brise ganz erträglich waren, blieben wir hier vier Nächte. Wir badeten in den Wellen, machten lange, einsame Strandspaziergänge und lasen. Nebenan war ein kleines Hotel, in dem wir zweimal abends essen waren.

Außerdem sahen wir an einem Tag mal wieder Wale und hatten gleich das Baja Feeling… Das fühlte sich alles wie Urlaub an!

Wir hatten allerdings inzwischen erfahren, dass unser Schiff acht Tage Verspätung hatte, trotzdem wollten wir nach den vier Tagen weiter.


Es gab 150 km weiter ein abgelegenes Dorf mit großem Strand und von dort aus müsste man die Wale noch besser sehen können.


Außerdem konnte man mit Fischern zu vorgelagerten Inseln fahren und unterwegs Wale beobachten, die aus der Antarktis kamen, um hier im warmen Pazifik ihre Kälber zu bekommen, oder sich zu paaren.


Wir füllten schnell noch unseren Kühlschrank auf und dann ging es gute 45 km eine nagelneu geteerte, sehr schmale Straße die Hügel in wilden Kurven rauf und runter. Links und rechts wucherte der Regenwald und direkt an der Straße gab es nur vereinzelte Hütten oder kleine Dörfer.


Die Strecke war eine Herausforderung für den Unimog.

Zum Teil war es so steil, dass Uli in den 2. oder 3. Gang runter schalten musste (das ist wie der erste bei „normalen“ Autos) und dann schlichen wir mit sagenhaften 20 km/h die Berge hoch und auch runter.

Die Aussicht, die sich uns trotz verhangenem Himmel bot, war mal wieder einmalig.


Am Ende dieser abenteuerlichen Strecke liegt das winzige Dorf Pixvae (von dort geht es übrigens nicht mehr weiter).


Es gab hier eigentlich nichts außer einer Handvoll überaus netter Bewohner, einen Strand, der bei Ebbe riesig war und einige Fischer, die in ziemlich einfachen Behausungen lebten.

Neugierig, was da für ein ungewöhnliches Fahrzeug angekommen war, lernten wir innerhalb kürzester Zeit einige von ihnen kennen.

Uns wurden sogleich Fahrten raus auf das Meer, oder zur nahegelegenen Coiba Insel angeboten, allerdings zu ganz schön happigen 70,00 $ pro Person.


Wir übernachteten am Ende des Dorfes, direkt am Strand mit ganztägiger, lauter Musikbeschallung, aber dafür wurden wir wie Familienmitglieder behandelt und durften sogar das private WC unserer Nachbarn benutzen.


Da am nächsten Tag das Wetter eher bescheiden war, machten wir nur einen ausgiebigen Strandspaziergang und verzichteten auf eine Bootstour – Wale hatten wir ja spektakulär bereits in Kanada und Mexiko gesehen.


Nach zwei Nächten ging es die steile und kurvige Strecke wieder zurück, leider bei Regenwetter.

Die Einheimischen hatten uns einen weiteren Strand empfohlen, aber als wir am Playa Blanca ankamen, waren wir darüber eher erstaunt.

Gute 100 km von Panama City entfernt gab es hier Hotelburgen, Shoppingmalls und Golfplätze. Und das als Empfehlung von einfachen Fischern?


Wir fuhren weiter nach Farallon , dem Nachbarstrand.

Allerdings ging es auch hier vorbei an einem riesigen Golfresort und Hochhäusern am Strand.

Unser angepeiltes Übernachtungsziel war eine Overlander freundliche Strandbar ganz am Ende der Ortschaft.

Und hier ließen wir dann glücklicherweise die Bettenburgen hinter uns und kamen durch einen noch sehr ursprünglichen, winzigen Ortsteil mit kunterbunten Holzhäusern auf Stelzen.


Wir blieben auch hier zwei Nächte, die nur deshalb einigermaßen erträglich waren, da der Himmel so bedeckt war, dass der Unimog sich nicht so stark aufheizte.


Danach flüchteten wir aber wieder in die Berge im Hinterland, ins Valle de Anton.


Vier Nächte erholten und erfrischten wir uns in dem gigantischen, ehemaligen Vulkankrater, der umringt ist von üppig grünen Wäldern.

Hier leben und genießen, wie in Boquete, ausländische Rentner aus mehr als 40 Ländern ihren Ruhestand.


Wir machten zwei herrliche Wanderungen.


Einen Tag ging es ziemlich steil bergauf zur „La India Dormida“ der schlafenden, indigenen Frau – ein Bergkamm, der die Konturen einer liegenden Frau hat.

Von dort oben, hatten wir nach anstrengender Kletterei einen fantastischen Blick in den Krater auf den Ort und rüber bis an die Pazifikküste, wo wir die Hochhäuser von Playa Blanca erkennen konnten.

Abwärts ging es durch den Dschungel vorbei an zwei herrlich unberührten Wasserfällen.

Die nächste Wanderung machten wir zu den Chorro el Macho Wasserfällen, der berühmteste Wasserfall im Umkreis von El Valle.

In vier Kaskaden fällt das Wasser 35 m tief in kleine Becken, in denen man auch hätte schwimmen können. Aber wir hatten keine Badesachen dabei, blöd aber auch…


Also gingen wir noch einen kleinen Weg hoch zu einem Aussichtspunkt.

Auch dieser Weg war streckenweise ganz schön steil und wir kamen ordentlich ins Schwitzen.

Oben angekommen hatten wir wieder eine fantastische Fernsicht.

Allerdings sahen wir auch, dass sich eine Regenfront näherte. Recht schnell sogar.

Es dauerte nicht lange und wir bekamen die ersten Tropfen ab.

Da wir Schirme dabeihatten (statt Badesachen) machte uns das im ersten Moment nicht so viel aus.

Aber so ein Zentralamerikanischer Platzregen hat es ganz schön in sich.

Innerhalb kürzester Zeit waren wir zumindest unten rum (Schuhe, Socken und Hose) pitschenass.

Danach zog es uns aber nochmal für zwei Nächte an den Pazifik.


Wir standen Mutter Seelen allein am fast schneeweißen Sandstrand und eine stete Brise ließ die Nächte sogar erträglich sein.

Schweren Herzens haben wir diesen Traumplatz wieder verlassen, aber wir mussten nach Panama City fahren und unser TIP verlängern.


Über die iOverlander App hatten wir uns das Zollamt markiert.

Leider hatte ich nicht richtig geguckt und so landeten wir in der falschen Straße.

Um zum richtigen Gebäude zu kommen lotste uns das Navi durch ein erschreckendes Slumviertel. So viel Elend und Müll, in dem Menschen leben, hatten wir bis dahin noch nicht gesehen.

Und dann waren wir noch nicht einmal beim richtigen Gebäude.

Aber wir bekamen Hilfe 😊

Zwei Zollbeamte fuhren uns in ihrem Pickup 17 km quer durch Panama City voraus und lieferten uns bei der nagelneuen Zollbehörde ab.


Eigentlich sollte das Verlängern des TIP nur 10 Minuten dauern.

Wir warteten eine halbe Stunde, bis man uns erklärte, dass wegen eines Systemfehlers bereits bei der Einreise unser TIP nicht verlängert werden konnte.

Wir erhielten eine handschriftliche Notiz, dass unser TIP Gültigkeit hätte und sollten am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.

Die Dame vom Zoll hoffte, das Problem am nächsten Tag lösen zu können.


Wir überlegten kurz, wo wir mitten in der Stadt bleiben könnten und fuhren dann zu unserer Agentur, die die Verschiffung organisiert.

Dort gab es in einem Hinterhof einen großen Parkplatz, auf dem man übernachten durfte.


Nicht schön, aber es gab Duschen und WC und man trifft auf andere Reisende.


Allerdings sind zu dieser Jahreszeit nicht mehr so viele Reisende in Mittelamerika unterwegs. Die meisten sind bereits in Südamerika, oder schon wieder längst zu Hause.


So trafen wir lediglich auf drei Camper, die am nächsten Tag in einen Container verladen wurden.


Wir erfuhren dann noch, dass unsere Verschiffung mal wieder verschoben worden ist.


Nach einer extrem heißen und dadurch schlaflosen Nacht erkundeten wir am nächsten Vormittag die nähere Umgebung und landeten nach wenigen Kilometern in Panama Viejo am Pazifik.

Dies war die erste europäische Siedlung am Pazifik, von den spanischen Konquistadoren gegründet.

Die Stadt kam damals zu großem Reichtum durch die Goldfunde in Peru, die über Panama verschifft wurden.

Dieser Reichtum zog diverse Piraten und Freibeuter an, die die Stadt erfolgreich plünderten und niederbrannten.

In den folgenden drei Jahrhunderten wurde die verlassene Stadt als praktische Quelle für Baummaterialien missbraucht.

Erst 1976 stellte die damalige Regierung Panamas die verbliebenen Ruinen unter Schutz, aber da waren die Reste der Stadt bereits verfallen und überwuchert.


Heute sind nur so wenige Ruinen erhalten, dass über die Größe, Lage und ihr Aussehen nur spekuliert werden kann.


Außerdem sind weite Teile von Panama Viejo unter einem Armenwohnviertel begraben, an dem wir vorbeikamen, als wir zu den Ruinen gingen. Überall türmen sich wieder Berge von Müll.


Die Ruinen selbst sind nicht besonders beeindruckend, vor allem, wenn man schon mal vorher in Rom oder Ägypten war.


Am Nachmittag erreichten die Mitarbeiter von Overland Embassy endlich die Dame vom Zoll, um zu erfahren, dass das TIP immer noch nicht verlängert werden konnte und wir erstmal mit dem Provisorium weiterfahren sollten.


So fuhren wir dann für eine Nacht hoch nach Portobelo an die Karibikküste (irgendwie müssen wir die Zeit ja totschlagen…).


Dieses kleine, karibische Fischerdorf war einmal der größte spanische Hafen in Zentralamerika.

Heute kaum vorstellbar. Als wir durch dieses verschlafene, aber kunterbunte Fischerdorf zu den Ruinen der Festung spazierten, sahen wir in der Bucht mehr gesunkene und vergammelte Bootswracks als Menschen.

Auch die zahlreichen Kanonen, die noch genauso dastehen, wie spanische Soldaten sie 1821 nach der Unabhängigkeit Panamas zurückgelassen haben, sind dem Verfall preisgegeben.

Die mehrheitlich karibischen Bewohner machten nicht den fröhlichsten Eindruck auf uns, sodass wir kurzerhand beschlossen zurück zu fahren und uns den Panamakanal anzugucken.


Außerdem gab es wieder eine Verschiebung des Verschiffungstermins – wir erinnern uns – es sollte ursprünglich am 2. September soweit sein. Jetzt waren wir bereits beim 16. September ☹


Direkt am Panamakanal gab es auf der iOverlander App einen kostenfreien Stellplatz und den visierten wir nach dieser Nachricht an.


Und zwar in dem kleinen Örtchen Gamboa.

Gamboa wurde in den 30/40ziger Jahren für die Unterbringung der US-amerikanischen Mitarbeiter des Panamakanals gebaut. Innerhalb kürzester Zeit stieg die Einwohnerzahl auf über 3.800.

Die Stadt verfügte wie die meisten Städte in der Kanalzone über ein eigenes Kommissariat, Postamt, Schule, Kirchen, Bahnhof, Feuerwehr und eine Tankstelle. Es gab außerdem ein Schwimmbad, ein Theater, einen Country Club und einen Golfplatz.


Aufgrund seiner abgelegenen Lage und Entfernung zu anderen Städten in der Kanalzone galt Gamboa als wenig attraktiv und wer konnte ging woanders hin.


Heute stehen viele der Einheitsbauten leer und verfallen Stück für Stück.

Viele der ehemals öffentlichen Gebäude sind ungenutzt und verrammelt.


Aber es gibt immer noch eine Polizeistation und genau dort nebenan war unser Übernachtungsstellplatz.

Drei Polizisten, die gerade eine kleine Grünfläche pflegten, begrüßten uns und bestätigten, dass wir dort sicher stehen würden.


Kurze Zeit später hieß uns noch der letzte verbliebene Pfarrer willkommen, der mit 82 Jahren immer noch Gottesdienste abhält und uns einlud, wenn seine Kirche offen wäre, die Bäder und die Küche benutzen zu dürfen.


Wir blieben vier Tage lang und beobachteten Schiffe, die durch den Kanal fuhren.

Es war schon sehr beeindruckend, an einem der spektakulärsten Bauwerke der Geschichte zu stehen. 1914 wurde der Panamakanal nach nur 10 Jahren Bauzeit fertiggestellt und verband auf einer Länge von 82 km den Pazifik mit dem Atlantik und erspart der Schifffahrt seitdem die 15.000 km lange Reise um das Kap Horn in Südamerika.


Wir haben gegoogelt, wieviel eine Durchfahrt durch den Panamakanal kostet – die größten Schiffe zahlen Gebühren von bis zu 800.000 $, kleine Segelschiffe etwa „nur“ 1.000 $.

Täglich fahren 30 – 40 Schiffe durch den Kanal, pro Jahr also über 14.000.


An der Stelle, an der wir standen, sah der Panamakanal allerdings aus wie die Weser, oder wie meine Freundin Christine sagte, mit der wir per Video telefoniert hatten, wie die Donau. Also eigentlich wenig spektakulär.


Deswegen hielten wir auf dem Weg zurück nach Panama City noch bei den Miraflores Schleusen an.

Im dortigen Besucherzentrum haben wir in einem großartig gemachten 3D-Film alles über die Planungen und den Bau des Kanals, sowie den Ablauf in den Schleusen zu sehen bekommen.


Danach konnten wir auf einer Aussichtsplattform den Schleusenverkehr beobachten.

Wir hatten Glück, denn es wurde gerade ein relativ großes Schiff vom Atlantik kommend in den Pazifik geschleust.

Die richtig großen „Pötte“ werden in einer 2017 eröffneten Riesenschleuse geschleust, die aber leider nicht zu besichtigen ist.


Zurück in Panama City wollten wir eigentlich unsere Polizeiinspektion in Angriff nehmen, aber Tada – es gab mal wieder eine Verspätung auf den 18. September.


Wir blieben zwei Nächte auf dem Damm am Pazifikeingang des Panamakanals, der auf zwei km Länge vier kleine Inseln verbindet.


Von dort hatten wir einen fantastischen Ausblick auf die Skyline von Panama City.


Die Nächte waren zwar sehr unruhig, da der Damm ein beliebter Aufenthaltsort der Panamaer ist, aber dank einer steten Brise war es erstaunlich erträglich von den Temperaturen her.

Vorher waren wir aber noch im Casco Viejo unterwegs, dem Stadtviertel, aus dem Panama City bestand, als der Kanal 1904 gebaut wurde.

Die wachsende Bevölkerung hatte sich weiter ausgedehnt und das alte Vierte verfiel schnell zu einem Slum.

2003 wurde Casco Viejo zum UNESCO-Welterbe erklärt und die bröckelnden Fassaden wurden zum Teil liebevoll renoviert.


Wir schlenderten ein paar Stunden durch die Gassen, nachdem wir es vorher auf einer auf Stelzen gebauten Küstenstraße im Meer umrundet hatten.

Wir erhielten die Nachricht, dass wir nun doch eine neues TIP bekommen hätten und dass dieses bereits bei Overland Embassy liegen würde.


Also brachen wir „unsere Zelte“ ab, holten das TIP, tankten bei der Gelegenheit Wasser und fuhren noch in den Metropolitan Naturpark.

Dieser tropische Regenwald inmitten der Stadt beherbergt Affen, Ameisenbären, Faultiere, Hirsche und einiges mehr.

Wir bekamen zunächst nur Schildkröten, Raupen und Vögel zu sehen.

Als es anfing stark zu regnen (wir hatten diesmal keine Schirme dabei) stellten wir uns unter ein Blätterdach, dass uns einige Zeit trocken hielt.

Über uns turnte plötzlich eine Affenherde von Ast zu Ast, die wir eine Zeitlang beobachten konnten.


Irgendwann wurden wir aber doch nass und so gingen wir weiter hoch Richtung Aussichtspunkt, in der Hoffnung, dort eine Überdachung vorzufinden.

Es gab aber nur ein kleines Trafohäuschen, oder was auch immer sich darin befand, immerhin mit einem winzigen Vordach, unter das wir uns duckten.


Als es endlich aufhörte zu regnen, gingen wir wieder einmal völlig durchnässt die letzten Meter zum Aussichtspunkt.

Der Anblick auf die Skyline der Stadt, im Vordergrund die Baumwipfel des Regenwaldes und Wolken, die von der dampfigen Erde aufstiegen, war sehr beeindruckend. Krasser könnte ein Gegensatz kaum sein. Hier die vermeintlich unberührte Natur und dort der urbane Großstadtdschungel.

Wir kehrten der heißen und dampfigen Stadt den Rücken und fuhren wieder raus an den Kanal nach Gamboa.


Zu unserer Überraschung standen an „unserem“ Platz Linda & Sandro (Howis_web auf Instagram) aus der Schweiz, die wir bereits in El Valle getroffen hatten und die mit uns zusammen verschiffen wollten, allerdings mit einer anderen Agentur.

Sie hatten dann die „frohe Botschaft“ für uns, dass der Verschiffungstermin schon wieder verschoben wurde, auf den 20.


So langsam hatten wir die Faxen dicke, aber, es gab ja keine andere Lösung.


Nachdem die Nacht am Kanal überraschend schwül war, beschlossen wir beide, wieder in die Berge zu flüchten.


Wir fuhren 70 km Richtung Norden nach Chica, einem kleinen Bergdorf in 450 m Höhe.


Wir gönnten uns für drei Nächte einen kleinen Campingplatz mit einer spektakulären Aussicht.

Und was noch viel wichtiger war – mit angenehmen Temperaturen.

Abends kühlte es auf 26 Grad ab und da es sehr windig war, mussten wir uns abends sogar lange Kleidung überziehen.

Aber die schützte uns auch gleichzeitig vor den saugenden Plagegeistern, sodass wir mal wieder seit langem, richtig lange draußen saßen und in den Sternenhimmel geschaut haben.

Und dann kam doch tatsächlich die Nachricht von Overland Embassy, dass die Reederei den Lade Tag im Hafen für den 15. September bestätigt hätte.

Laut Linda sei unser Schiff auch endlich aus Veracruz in Mexiko losgefahren.


Die Polizeiinspektion fand auf einem einfachen Hinterhof statt.

Im Grunde wurde lediglich die Fahrgestell-Nr. kontrolliert, damit unsere Ausreisedokumente erstellt werden konnten. Die ganze Prozedur dauerte aber zwei Tage und einige Stunden Warterei.


Wir wuschen den Unimog mal wieder gründlich für die Abgabe im Hafen, bezahlten die Verschiffung, die um einiges teurer ist, als die Verschiffung nach Kanada, tauten den Kühlschrank ab und fuhren Richtung Colon, der Hafenstadt an der Karibikküste.


Wir besichtigten noch eine Panamakanalschleuse, die letzte vor dem Atlantik, aber es war leider nur ein Schiff zu dem Zeitpunkt unterwegs und das war fast fertig geschleust, als wir ankamen.

Wir fuhren danach zu unserem letzten Übernachtungsplatz im Unimog in Panama, einem ruhigen Platz direkt am Gatun Stausee.

Morgens um 5.00 Uhr wurden wir von einer Herde Brüllaffen geweckt, die direkt in dem Baum über uns herumturnte.

Nachdem wir die Fahrräder eingeladen und seefest montiert hatten, fuhren wir im strömenden Regen zum Abgabehafen.


Morgens hatte ich nochmal das Verschiffungsdatum gecheckt – und es hat sich um einen Tag verschoben…


Der Abgabetermin blieb aber der Gleiche und so ließen wir den Unimog nach zwei Stunden, in denen alle vier Fahrzeuge kontrolliert wurden (inkl. Drogenhund) und alle Dokumente ausgefüllt waren, mit seltsam mulmigem Gefühl allein im Hafen zurück.

Wir wurden zurück nach Panama City gebracht, wo wir die nächsten Nächte im 32. Stock eines Hotels mit einer fantastischen Aussicht und einer Klimaanlage schliefen.

Unseren Flug nach Kolumbien haben wir für den 19. September gebucht.


Der Unimog soll am 21. verschifft werden und einen Tag später in Cartagena ankommen.


Drei bis fünf Tage später sollen wir ihn wieder abholen können.


Ob das tatsächlich so geklappt hat, erfahrt Ihr dann im nächsten Beitrag – dem ersten aus Südamerika 😊

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Ende März / Anfang April fahren wir nach Hamburg, wo der Unimog Mitte April per Schiff auf die Reise nach Halifax geht.
Corona bedingt dürfen wir leider nicht mit an Bord und so fliegen wir vorab für ein paar Tage nach Island, bevor es dann auch für uns nach Kanada geht. 
Ende April soll das Schiff mit unserem Unimog hoffentlich wohlbehalten in Halifax, Nova Scotia einlaufen.
Einige Tage später, hoffen wir, können wir ihn dann endlich aus dem Zoll holen und unser Abenteuer kann endlich beginnen.

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